Quelle: Allgemeine Zeitung am 13.08.2014

Neugierige beobachten beim Dreschfest, wie das Getreide vom Mähbinder gebündelt wird.
Foto: hbz/Michael Bahr

Von Margit Dörr

DRESCHFEST Verein Traktorfreunde Rhein-Selz und Familie Berges gewähren Einblicke in altes landwirtschaftliches Handwerk

 

DALHEIM - Zum „Dreschfest“ hatte der Verein Traktorfreunde Rhein-Selz in Kooperation mit Familie Berges, die schon viele Jahre in Dalheim ein Maislabyrinth öffnet, eingeladen. Bei idealem Wetter stapften viele große und kleine Interessierte über den riesigen, zum Teil abgeernteten Acker, betrachteten die über 120 herausgeputzten Traktor-Oldtimer und ließen sich von den stolzen Besitzern die Leistung und vielfach auch die Geschichte des Vehikels erzählen. Zusätzlich gab es jede Menge altes und modernes landwirtschaftliches „Handwerkszeug“ zu bestaunen.

Getreide mähen

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Traktorfreunde Rhein-Selz e.V., Erwin Friedrich, Ringstraße 10, 55278 Dexheim
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Telefon: 0 61 33 / 5 98 39

Eine große Fläche des Getreideackers war aber noch nicht gemäht. Extra für dieses Fest hat es Gerhard Berges stehen lassen. Und von Zeit zu Zeit konnte hier zugeschaut werden, wie einst – die Traktorfreunde sprachen von „nach dem Krieg“ – das Dreschen des Getreides vor sich ging.

Als der Hechtsheimer Bernd Kraft mit seinem roten Oldtimer „Mc Cormick Deering F-12-G, USA“ zum Getreidefeld knatterte und der bereitstehende „Mähbinder“ angehängt wurde, fanden sich schnell Neugierige ein. Dieter Berges nahm auf dem Sitz des Mähbinders Platz. Durch das Drehen der Eisenräder des anhängenden Gerätes wurde der Mähbalken in Bewegung gesetzt. Gleichmäßig fielen die Halme zunächst in das Segeltuch und wie durch Zauberhand schließlich in kleinen zusammengebundenen Garben seitlich heraus. Auch zwei mobile Dreschmaschinen standen bereit, die mit einem Riemen mit einem stehenden Traktor verbunden waren. Die auf einem Erntewagen aufgeschichteten Garben wurden in dieses Gerät geworfen. Und schließlich füllten sich die beiden Jutesäcke, die an der Rückseite der Dreschmaschine befestigt waren.

Rudi Kattler aus Lörzweiler, Jahrgang 1943, der mit seinem Oldtimer-Traktor, einem Allgäuer Porsche, Baujahr 1951, hergekommen war, kannte das alles. „Als Bub hab ich mitgeholfen, Garben aufstellen“, erzählte er. „Die älteren Bauern sind damals hinter dem Mähdrescher hergelaufen und achteten darauf, dass keine Körner herunterfallen“, erinnerte er sich schmunzelnd. „Ich habe in all diesen Geräten schon die Hände drin gehabt“, lachte er, denn er hat bei der Landmaschinenfirma Auer in Lörzweiler vor 55 Jahren die Lehre zum Schmied begonnen und arbeitet – zumindest zeitweise – immer noch als Schlosser dort. Genauso fasziniert wie Kattler zeigten sich die drei zehn- und elfjährigen Freunde aus Dalheim Yves, Tom und Marvin von den alten und neuen landwirtschaftlichen Geräten. Alle drei sind schon mal auf einem Mähdrescher mitgefahren. Und Yves meinte selbstbewusst: „Wenn man auf dem Land lebt, weiß man, wo das Brot herkommt“.

Das ist auch das Ziel dieses Festes und letztendlich auch der Traktorfreunde. Man wolle das Kulturgut erhalten und zeigen, wie früher gearbeitet wurde, sagte der Erste Vorsitzende des Vereins der Traktorfreunde, Erwin Friedrich.

„Das Fest war ein voller Erfolg“, resümierte Harald Feck vom Vorstand. Das Wetter habe wunderbar mitgespielt und die Besucherzahl sei riesig gewesen. Viel Spaß hatten alle, als VG-Bürgermeister Klaus Penzer sowie die Ortsbürgermeister von Dalheim und Dexheim, Willhard Leib und Hubert Horn, die Dreschmaschine bedienten. Feldgottesdienst, Prämierung, Bauernmarkt, Maislabyrinth und natürlich Essens- und Getränkeangebote stießen auf großes Interesse. Eine originelle Idee hatte die Oppenheimer Massagepraxis Dirk Schlaak, die zugunsten der beiden Vereine „Förderverein für Tumor- und Leukämiekranke Kinder Mainz“ und „Krebskranke Kinder Mainz“ die Gäste massierten.